Kirchengemeinde Oldenburg

Kirche ist nicht nur sonntags … eine theologische Einordnung

Kirche ist nicht nur sonntags … eine theologische Einordnung

Kirche ist nicht nur sonntags … eine theologische Einordnung

„Kirche ist am Sonntagvormittag und langweilig“ – ein abfälliger Satz, den man immer wieder hören kann, genau wie den Witz, welchen Beruf die Jugendliche denn ergreifen wolle. Antwort: „Sonntags Lehrerin und an den Wochentagen Pastorin, da hab ich immer frei.“
Wann ist Kirche? Die Antwort: „Kirche ist nicht nur sonntags“ liefert schon der Titel. Im Durchgang durch die Wochentage zeigt sich, dass an jedem Tag der Woche in unserer Gemeinde etwas los ist. Aber das ist nur die vordergründige, die geschäftige Antwort. Die geistliche Antwort ist: Kirche ist immer, weil Gott immer ist. Menschen, die zu Jesus Christus gehören, bilden die Kirche. Das wird immer so sein. Für die Frage, ob ich mich zu Jesus Christus halte, ob ich ihm vertraue, ist es egal, welcher Tag heute ist. Ob Montag, Dienstag oder Sonntag: Kirche ist immer!
Dr. Ralph Hennings

Sonntag ist der Wochentag, der am ehesten mit Kirche verbunden wird. Der Sonntag ist zum einen der siebte Tag der Woche, an dem Gott von seiner Schöpfung ausruhte. Zum anderen ist er aber auch der erste Tag der Woche, weil Christus am Ostersonntagmorgen auferstanden ist. Deshalb feiern wir am Sonntag Gottesdienst. Vor diesem jüdisch-christlichen Hintergrund ist der Sonntag gesetzlicher Feiertag. Darum wird der Sonntag völlig zu Recht mit Kirche verbunden.
Im vierten (Luther zählt es als drittes) Gebot der Bibel (2. Mose 20, 8-11) heißt es: „Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der Herr, dein Gott befohlen hat. Sechs Tage darfst du arbeiten und alle deine Werke tun. Der siebte tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott geweiht. An ihm darfst du keine Arbeit tun.“
Spannend an dieser langen Begründung des Gebotes, den Feiertag zu heiligen, ist, dass Gott an diesem Tag von der Schöpfung ausruhte, aber neben der Ruhe ist ausdrücklich erwähnt: „Sechs Tage darfst du arbeiten und alle deine Werke tun.“ D.h., dass Arbeiten mit zum Leben gehört. Mehr noch: Leben im Angesicht Gottes ist erfüllt im ausgewogenen Verhältnis von Arbeit und Ruhetag. Arbeit ist ein Recht und eine Würde, die Gott den Menschen zuspricht. Und: Gott selber arbeitet! Darin unterscheidet er sich von den Göttern des Alten Orients. Bei ihnen galt Arbeiten als etwas Unwürdiges.
Ganz anders in der Bibel: Gott erschafft uns, die Menschen als seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir sollen an seiner Arbeit teilnehmen, jeden Tag, um den Garten Eden, diese Erde, zu bebauen und zu bewahren.
Kirche ist also nicht nur sonntags. Dazu ein letzter Gedanke. Das griechische Wort „kyriake“, von dem sich das Wort Kirche ableitet, heißt übersetzt „zum Herrn gehörig“. Das finde ich eine wunderbare Beschreibung dessen, was Kirche ist. „Zum Herrn gehörig“, das sind wir nicht nur sonntags. Das sind wir jeden Tag.
Michael Trippner