Gefährliche Erinnerung

Erinnern Sie sich gerne oder verbieten Sie sich das? Gibt es Erinnerungen, die Dich wärmen? Woran erinnern wir uns gemeinsam? An den Mauerfall 1989 oder die Reichspogromnacht am 9.11.1938 oder an die Fußballweltmeisterschaft 2006?
Gott selbst erinnert in der Bibel die Menschen auch: Zum Beispiel an die Sklaverei in Ägypten, aus der er sie geführt hat. Zu Beginn der 10 Gebote weist Gott damit daraufhin: Freiheit braucht Regeln. Die Erinnerung an Sklaverei soll zeigen, dass Zusammenleben in Freiheit nur möglich ist, wenn wir uns nicht gegenseitig unsere Sachen stehlen, uns umbringen, uns nicht von Neid zerfressen lassen.
Wenn Erinnerung nicht nur das Sinnvolle, das Gelingen, sondern auch das Schwere und das Leiden in der Vergangenheit beinhaltet, bringt sie Impulse für das Leben jetzt. Ein Beispiel für solches Erinnern, das unser Handeln und Denken in Deutschland mit bestimmt, ist die Erinnerung an den Holocaust: Sie sorgt dafür, dass wir aufmerksam sind, wenn Menschen heute wegen ihrer Religion, ihrer Hautfarbe, ihrer sexuellen Orientierung oder körperlichen Verfassung ausgegrenzt werden. Wenn Menschen zu Sündenböcken gemacht werden, sagt uns schon die Erinnerung, welche Gefahr davon ausgeht.
Der Theologe Johann Baptist Metz führte dafür das Stichwort „Gefährliche Erinnerung“ ein: Die Erinnerung an Gottes Befreiung aus der Sklaverei und die Erinnerung an Jesu Leiden rufen uns als gläubige Menschen in die politische Verantwortung. Insofern ist diese Erinnerung „gefährlich“, weil sie nicht beruhigt, sondern uns herausfordert. 

Gute Erinnerungstage im November wünscht 
Ihre Pastorin Anja Kramer

Gefährliche Erinnerung (pdf 348 kB) Wort der Zuversicht vom 8. November 26

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