Ich denke an alle, die wie Victor Frankenstein nach Ruhm und Macht streben, die die Welt in ihrem Innersten durchdringen wollen. Schenke Weisheit und eine Verantwortung, die über das eigene Leben hinaus blickt.
Ich bitte für alle, die sich ausgeschlossen fühlen wie das namenlose Geschöpf. Die in Rollen hinein gedrängt wurden. Die nach Liebe suchen, aber nur Ablehnung erfahren. Stärke sie mit aller Kraft. Lass sie Menschen finden, die ihnen mit Würde begegnen und ihnen ihr Herz öffnen.
Ich denke an alle, die unter den Folgen monströser, menschlicher Hybris leiden: durch Technik, Algorithmen, mörderische Kriegstreiberei oder Gleichgültigkeit. Gib Mut zum Durchhalten und Widersprechen. Gib allen den Drang, Grenzen zu achten und das Leben als höchstes Gut zu schützen.
Ich bitte dich für alle, die im Theater das Leben deuten, Hoffnungen inszenieren, Einsprüche zur Wirklichkeit aufzeigen. Schenke Mut und Freude am Spiel, dass die Welt deutlich ihren Stimmen hören kann - gegen allen Rassismus und Antisemitismus, gegen alle Queerfeindlichkeit und populistische Ausgrenzung, gegen alles Mausern und Morden.
Ich denke an deine erschöpfte Schöpfung. Lass mich leben aus der Ehrfurcht vor allen Lebewesen. Verantwortlich verbunden mit Mutter Erde und Schwester Mond. Dein Atem belebt den größten Wal und kleinsten Käfer. Deine Aura umfasst den höchsten Gipfel und tiefsten Meeresgrund. Du bist in deiner Schöpfung gegenwärtig. Lass uns allem Bösen widerstehen und in aller Freiheit nur deiner Liebe vollkommen erliegen.
so betet Tom Brok
Frankenstein – „gruselig existentiell“ (pdf 815 kB) Wort der Zuversicht vom 10. Mai 26
