Es gibt nur noch wenig, was uns aufgeklärte und erwachsene Menschen staunen lässt. Kinder, die können noch staunen. Z.B. über jede Muschel, die das Meer an den Strand spült. Erwachsene sehen die Muscheln nicht mehr.
Aber: Vorletzten Mittwoch, da versetzte doch ein Naturphänomen hunderttausende Menschen in ein kollektives Staunen. Beste Plätze wurden reserviert, Polizei und Militär eingesetzt, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Mit Sonnenbrille ausgestattet richteten sich die Blicke gen Himmel. Und dann verdunkelte sich der Tag.
„Boah, Wow, Cool“ – was Kinder beim Anblick einer Muschel staunend äußern, entlockte die Sonnenfinsternis nun den Erwachsenen an Lauten. Ja, da muss schon etwas wie eine Sonnenfinsternis passieren, damit wir staunen.
Staunen heißt: neu zu sehen, als sähe man zum allerersten Mal. Staunen bedeutet, sich heraus reißen zu lassen aus der Art und Weise, wie man sonst die Wirklichkeit wahrnimmt, aus allem Gewohnten. Staunen weitet den Blick dafür, dass es noch mehr gibt als das eigene Leben und das eigene Weltbild. Eine Sonnenfinsternis lässt uns erahnen, wie groß die Schöpfung, das Weltall, der Himmel sind und was für ein Geschenk es ist, Teil dieses Ganzen zu sein. Wer staunt, hat eine Ahnung, Teil von etwas Größerem Gutem zu sein.
Jubel brandete auf, als die Sonne hinter dem Schatten wieder auftauchte. Demütig und staunend stammelnd dachte ich an Psalm 104,24: „Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“
Ihr Pastor Michael Trippner
Staunen (pdf 524 kB) Wort der Zuversicht vom 23. August 26
