Sturm

Im Herbst beginnt die Zeit der Stürme. Sie reißen an der Nordseeküste den Sand weg, werfen Bäume um und machen das Radfahren schwer. 
Der Sturm bringt die Luft in Bewegung, die uns sonst unauffällig umgibt. Der Sturm zeigt ihre Kraft. Wie alle Elemente, ist auch die Luft beides: lebensnotwendig und lebensbedrohlich. Der Wind, den ich gerne auf meiner Haut spüre, wenn er mich im Sommer kühlt, wird im Sturm zu einer Macht, die Häuser, Schiffe, Autos, Bäume und alles mögliche andere zerstören kann. Die Luft, die ich unbedingt zum Leben brauche, drückt mir ein starker Sturm so sehr ins Gesicht, dass ich dann kaum atmen kann.
Trotzdem mag ich es, wenn der Wind kräftig bläst, wenn Blätter von einer Ecke des Gartens in die andere gewirbelt werden, als gäbe es weder Harken noch Laubbläser. Ich mag es auch auf dem Deich zu gehen, wenn ich mich schon vorbeugen muss, um nicht weggepustet zu werden. 
Die elementare Kraft der Natur wird im Sturmwind auf eine besondere Weise spürbar. Luft, Wasser, Feuer und Erde können alles erschüttern, was wir Menschen aufbauen. Im Herbststurm spüre ich die Energie unseres Planeten, genauso wie in den großen Wellen des Meeres oder im Feuer, das mich wärmt. Das macht mir klar, dass ich ein Kind dieser Erde bin, die eine wunderbare Lufthülle hat. Sie ist ständig in Bewegung, verteilt sich neu und regeneriert sich dabei. Der Sturm pustet mir diese Wahrheit vom Atlantik aus um die Ohren – ich muss nur hinhören.

Ihr Pastor Prof. Dr. Ralph Hennings

Sturm (pdf 2,3 MB) Wort der Zuversicht vom 25. Oktober 26

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